Kaum mehr als 1 Sekunde für Treffer in Ergebnisliste

14. March, 2011 2 Kommentare Autor:

Nutzer verwenden wenig Zeit um die Ergebnisliste von Suchmaschinen zu studieren. Das belegt eine kürzliche Studie. Organische Treffer werden im Schnitt kaum mehr als 1 Sekunde angesehen. Bezahlte Treffer neben der Ergebnisliste werden sogar nur deutlich weniger als 0,2 Sekunden angeschaut!

Anlass der Analyse war der Vergleich der Trefferlisten von Google und Bing. Welche Aufmerksamkeit widmen erfahrene Nutzer den organischen Treffern? Wie werden Sponsored Links beachtet und wie effektiv werden zusätzlich Möglichkeiten der Suchverfeinerung genutzt. Google wurde ohne Google Instant benutzt. Jeder der 24 Teilnehmer bekam 4 Suchanfragen als Vorgabe. Zwei Anfragen waren auf die Informationsbeschaffung ausgerichtet (informell), die anderen beiden Fragen zielten auf kommerzielle Absichten (transaktional).

Treffer in Google und Bing betrachten

100% aller Nutzer widmen sich den organischen Treffern der Suchmaschinen. Rund 90% der Nutzer schauen auch auf die bezahlten Listings oberhalb der organischen Trefferliste. Deutlich weniger wurden die bezahlten Links rechts neben der Trefferliste beachtet. Nur 28% (Google) bzw. 21% (Bing) der Blicke gingen auf die Sponsored Links, rechts neben der organischen Trefferliste.

Suchverfeinerung bleibt weitgehend unbeachtet

Interessant, dass Suchmaschinen die Möglichkeiten zur Verfeinerung der Suche immer mehr ausfeilen und in den vermeintlichen Blickpunkt der Nutzer stellen. Doch links neben die Ergebnisliste schauen sehr wenige Nutzer. Bing erzielt zumindest eine geringe Aufmerksamkeit für diesen Bereich, indem verwandte Suchvorgänge sowie der Suchverlauf relevante Begriffe enthalten bzw. enthalten können. Die Möglichkeiten in anderen Bereichen wie Videos, Bilder und News zu suchen wurde bei der Google-Suche kaum betrachtet. 17% der Teilnehmer schauten zwar mal auf diesen Bereich der Google Trefferliste jedoch nur für durschnittlich 1,2 Sekunden. Der navigationale Bereich links neben der Bing-Trefferliste wurden hingegen von 18% der Nutzer durchschnittlich 2,9 Sekunden lang betrachtet.

Eye Tracking Studie 2011

Eye Tracking Studie zeigt wie lange und wie häufig organische Listings und Sponsored Links betrachtet werden

Bing bietet die Möglichkeit durch überfahren mit dem Mauszeiger, den Beschreibungstext des Treffers deutlich zu verlängern. Rechts neben dem Treffer wird ein längerer Textauszug der Seite angezeigt um eine bessere Entscheidungshilfe zu liefern. Nur 25% der erfahrenen Bing Nutzer waren überhaupt mit dieser Möglichkeit vertraut. Am häufigsten wurden die Textblasen (Flyouts) unabsichtlich ausgelöst.

Seitentitel und Meta-Description – Bitte ansprechend und leicht verständlich gestalten

Für Website-Betreiber ergeben sich interessante Schlußfolgerungen. Formulierung von Seitentitel und Beschreibungstext der Treffer (sher häufig Inhalt von Meta-Description) haben eine sehr hohe Bedeutung für den Erstkontakt mit potentiellen Besuchernunabhängig von deren Bedeutung für das Ranking. Die zu vermitteln Botschaft muss schnell erfassbar sein, sollte Lust auf mehr machen.

Die Grafik stellt jedoch klar, dass die Betrachtungszeit unterschiedlich verteilt ist. Die roten Bereiche geben beispielsweise Stellen in der Ergebnisliste an, die mehr als 4,5 Sekunden betrachtet werden.

Die Erkenntnis, dass die Sponsored Link rechts neben der Trefferliste deutlich weniger Beachtung finden, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Dennoch finden diese Anzeigen genügend Aufmerksamkeit um eine ganze Industrie mit deren Schaltung und Vermarktung zu beschäftigen.

Siehe auch Beitrag: Das goldene Dreieck

User Centric Inc.
Eye Tracking Bing vs. Google: A Second Look

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2 Kommentare to “Kaum mehr als 1 Sekunde für Treffer in Ergebnisliste”

  1. Mario Fischer says:

    Hallo Klaus,
    hab mir die Studie mal näher angesehen und etwas Zweifel bekommen. Dass oben nur knapp eine Sekunde hingesehen wird, ist völlig ok und plausibel. Schließlich ist man im Suchmodus, hat eine Suchphrase/Begriff im Kopf und braucht normal nicht mehr als eine Sekunde um abzuschätzen, ob das Ergebniss passt. Reine Mustererkennung, da sind wir Menschen spitze. Dazu passt auch, dass Links die “neuen” Navimöglichkeiten vglw. länger angesehen werden. Muss man erst verstehen, was man da machen kann.

    Ganz generell stellen sich mir etwas die Nackenhaare auf, wenn in so einem Fall mit nur 24 Teilnehmern gearbeitet wird. Das scheint mir dann doch etwas zu wenig. Es ist was anderes, Usabilityprobleme auf einer Siteaufzudecken, da reichen in der Tat nur ein paar Testpersonen. Aber von so wenigen Teilnehmern wie hier dann Hochrechnungen zu machen… ich weiß nicht. Aber das Ziel der Studie war sicher auch nicht, wirklich aufzuklären, sondern auf sich aufmerksam zu machen 😉

    Gruß nach Thailand!
    Mario

  2. klaus says:

    Hallo Mario,

    sehe ich auch so, 24 Personen sind wenig. Das ist aber leider sehr oft so, dass relativ wenige Personen in Studien einbezogen werden. Obwohl ich schon mehrfach über Studien berichtet habe, fällt es mit schwer, eine Studie zu nennen, die mehr als 100 Teilnehmer gehabt hätte.

    Für mich war interesant darüber zu berichten, weil insbesondere die kurzen Ansichtszeiten der Treffer darauf aufmerksam machen, wie wichtig Titel und Beschreibungstext einer Seite für die Trefferliste sind.

    Noch wichtiger, wirklich ansprechende Texte in den Textanzeigen neben der Trefferliste.