Schlechte Links werden entschärft – von neuem Google Algorithmus

3. December, 2010 3 Kommentare Autor:

Nicht alle Links sind gute Links für eine Webseite. Falls sich Nutzer massenweise in Foren oder gar Zeitschriften über einen Händler im Internet beschweren, ist das kein gutes Zeichen für den Händler. Bisher gab Kritik auf anderen Webseiten dem Kritisierten aber eher eine Förderung für das Ranking. Schlechter Händler – gutes Ranking! Das darf so nicht sein entschied Google und entwickelte einen neuen Algorithmus.

Anlass für den neuen, zusätzlichen Algorithmus war ein bewegender Bericht der New York Times, worin die bösen Machenschaften eines Online-Händlers geschildert wurden. Dieser Händler beschimpfte, beleidigte und bedrohte seine Kunden, bot allerschlechtesten Service. Der Händler stellte jedoch fest, dass dies keinesfalls nachteilig für ihn ist. Die Kritiken an seinem Online-Unternehmen bescherten ihm massenweise neue Links die ihn wiederum zielsicher auf die vordersten Plätze der Suchmaschinen beförderten.

Die Folge ist klar, zahlreiche neue Kunden die den Umsatz des Online-shops ankurbelten, trotz bzw. gerade wegen der schlechten Kritiken.

Das Google-Prinzip, dass jeder Link eine demokratische Stimme darstellt, kann so nicht aufrecht erhalten werden. Google behauptet zwar, die Qualität der Verweise spielt eine Rolle, sieht diese Qualität aber eher im algorithmischen Gewand. Für die Erkennung echter Qualität oder die Erkennung von Kritiken hat sich Google bisher nicht gerüstet. Negative Äusserungen wurden positiven Äusserungen gleichgesetzt. Link ist gleich Link. Ausgenommen Verweise, die mit dem Linkattribut rel=”nofollow” gekennzeichnet sind.

Die Ergänzung eines Links mit einem Linkattribut liegt aber fast ausschliesslich in der Hand von Webmastern, welche die Foren, Blogs usw, betreiben, wo die Links gesetzt werden, nicht in der Hand der Personen welche die Kritik äussern. Damit ist auch klar, dass Verweise aus Communities-Seiten kaum für das Ranking des Händlers verantwortlich sind, weil diese meist bereits im voraus alle Verweise von Nutzerbeiträgen mit rel=”nofollow” belegen. Vielmehr waren es vor allem bekannte Nachrichtenseiten wie Bloomberg und New York Times, welche durch ihre Berichte dem Online-Shop eine starke Reputation gaben.

Amit Singhal, Google Fellow, schreibt im Google Weblog: “Wir sind erschrocken über die schrecklichen Erfahrungen von Ms. Rodriguez’s.”, welche im Bericht der New York Times ausführlich dargestellt wurden. Ein Google-Team beschäftige sich umgehend mit dem Thema und entwickelte eine erste algorithmische Lösung um dem Problem zu begegnen.

Es wäre leicht für Google, den Händler manuell mit einem schlechten Ranking zu belegen. Allerdings wäre damit nur der einzelne Problemfall gelöst. Google geht es aber darum, Probleme in ihrer Gesamtheit zu lösen. Wie der Algorithmus funktioniert verrät Google natürlich nicht. Da der Algorithmus als anfänglich bezeichnet wird, ist das sicherlich nur das erste Notpflaster um diesen Händler und ein paar hundert weitere “schlechte” Händler nicht zu viel Punkte für das Ranking zukommen zu lassen. Für die Zukunft wird wohl im Unternehmen Google einiger Aufwand investiert werden, um negativen Wertungen die Kraft für das Ranking zu nehmen.

Google erklärt im Weblog welche Lösung nicht in Frage kommt:

Stimmungsanalyse zur Erkennung von negativen Bemerkungen, um diese in negative Rankingsignale umzuwandeln. Google verfügt nach eigenen Angaben über ein weltklasse System zur Stimmungsanalyse in Blogs und Nachrichten.

Würden generell Webseiten mit negativen Kommentaren abgewertet, würden beispielsweise Webseiten von Politker so ziemlich unauffindbar sein. Bislang wurde also keine Möglichkeit gefunden, die Stimmungsanalyse für das Ranking zu nutzen. Allerdings wird weiterhin daran gearbeitet die Stimmungsanalyse für das Ranking einzusetzen, vielleicht gibt es irgendwann eine praktikable Lösung.

Google hat in den vergangenen Tagen einen Algorithmus entwicklelt, welcher den in der New York Times benannten Händler entdeckt und einige hundert andere Händler, die nach Ansicht von Google ebenfalls sehr schlechte Nutzerfahrungen hervorrufen.

Google erklärt mit “vernünftiger Zuversicht”, dass es für das Ranking in Google schlecht ist, schlecht zu seinen Kunden zu sein.

Danny Sullivan, Search Enigne Land, vermutet in einem Beitrag, dass Nutzerbewertungen in den Algorithmus einfliessen. Nicht alleine, aber als Signal. Google sammelt Nutzerbewertungen von seinem eigenen Verkaufssystem “Check Out” sowie von zahlreichen anderen Diensten mit Nutzerbewertung.

New York Times:
A Bully Finds a Pulpit on the Web
Search Engine Land:
Google: Now Likely Using Online Merchant Reviews As Ranking Signal

Official Google Blog:
Being bad to your customers is ba for your business

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3 Kommentare to “Schlechte Links werden entschärft – von neuem Google Algorithmus”

  1. Markus Laue says:

    Also ich muss sagen, dein Artikel gefällt mir echt sehr gut…habe in letzter Zeit häufiger mal hier vorbei geschaut…machst eine gute Arbeit. Zu diesem Artikel bleibt eigentlich nur zu sagen…”es gibt keine schlechte werbung”

  2. Jens J. Korff says:

    Das Problem wäre auch dadurch zu lösen, dass Nachrichtenportale darauf verzichten, Links auf Websites zu setzen, die sie kritisieren. Man kann über solche Websites doch auch berichten, ohne sie zu verlinken.

  3. Philipp says:

    Nicht, dass meine Links deswegen abgewertet werden, weil User schlechte Kommentare zum Thema geben.
    Beispiel: Eine schlechte News.
    User schreibe eine Menge an schlechten Kommentaren und die Seite wird abgewertet. Davor hätte ich als Betreiber etwas Angst.