Interview mit Stefanie Dürr – Search Quality Team Lead – Google

14. June, 2008 1 Kommentar Autor:

Im nachfolgenden Interview gibt Stefanie Dürr, Search Quality Team Lead – Google, Antworten auf Fragen, die für Webmaster von Interesse sind.

Frau Dürr, welche Möglichkeiten haben interessierte deutschsprachige Personen zu helfen, für eine hohe Qualität der deutschsprachigen Google Resultate zu sorgen?

Unser Ziel ist es, die Qualität unseres Indexes stets weiter zu optimieren, um unseren Usern die bestmöglichen Suchergebnissen liefern zu können. Daher bieten wir Usern, die uns bei diesem Ziel im Sinne der gesamten Internet-Community aktiv unterstützen wollen, verschiedene Möglichkeiten zum Feedback an:

Unser Spam-Report-Formular in den Webmaster-Tools ist der effektivste Weg, uns über Missbrauch unserer Suchmaschine zu informieren. Alle diese Berichte werden von uns verarbeitet und gegebenenfalls individuell überprüft.

User können auch einen wertvollen Beitrag für die weitere Verbesserung unserer Suchalgorithmen leisten, indem sie uns mittels unseres Formulars für bezahlte Links in den Webmaster-Tools auf Websites hinweisen, die PageRank vererbende Links kaufen oder verkaufen, um auf diese Weise Suchergebnisse zu manipulieren. Anhand dieser Reports können wir unsere Algorithmen noch weiter verbessern, um automatisch Links zu disqualifizieren, die wegen der Weitergabe von PageRank gekauft oder verkauft wurden. Mitunter nehmen wir auch manuelle Maßnahmen gegenüber derartigen Websites vor.

Als dritte Möglichkeit können uns User allgemeines Feedback zu Webmaster-Themen in unserem Diskussionsforum für Webmaster geben. Hier können uns User z. B. Verbesserungsvorschläge für unsere Webmaster-Tools zukommen lassen.

Google arbeitet verständlicherweise ständig an der Verbesserung der Ranking-Algorithmen. Einige Änderungen haben starke Veränderungen der Positionen in der Ergebnisliste von Google zur Folge. Auch Webmaster, deren Seiten nach allen Google-Richtlinien erstellt wurden, erfahren mitunter schmerzhaft, dass der ungewollte Verlust von Positionen mit dem Verlust von Besuchertraffic verbunden ist. Welche Empfehlungen können Sie Webmastern in dieser Situation geben?

Die Positionierung in den Suchergebnissen ist per se nicht statisch, weil sie von der jeweiligen Suchanfrage sowie von der Performance anderer Websites im entsprechenden Umfeld abhängt. Auch die von Ihnen erwähnten größeren Updates unserer Suchalgorithmen führen zuweilen zu Fluktuationen in den Suchergebnissen. Daher rate ich zu einer langfristigen und nachhaltigen Strategie zum Traffic-Aufbau.

Generell empfehle ich, sich mit der eigenen Site in einem weniger kompetitiven Feld zu etablieren. Dies kann etwa eine Nische oder eine Spezialisierung auf einen enger gefassten Bereich sein, für den Ihre Site einen speziellen Mehrwert im Vergleich zu thematisch ähnlichen Sites bietet. Qualitativ hochwertiger und stets aktueller Content ist das Fundament, um sich als Autorität in dem von Ihnen abgesteckten Feld zu etablieren. Machen sie sich einen Namen in der anvisierten Community, indem Sie sich etwa einen Expertenstatus durch entsprechende aktive Beteiligung in themenrelevanten Foren und Blogs aufbauen. Haben Sie sich als Autorität in Ihrem Bereich etabliert, dann wird Ihre Site auf organische Weise von Inhabern thematisch ähnlicher Sites verlinkt.

Schaffen Sie außerdem Anreize für User, regelmäßig Ihre Site zu besuchen. Dies kann auf vielen Wegen geschehen. Zum Beispiel könnten Sie einen Blog in Ihre Site integrieren samt Möglichkeiten zur Content-Syndication (z. B. Feeds etc.) oder einen Newsletter anbieten.

Neben dem Content ist für die Verbesserung der Präsenz Ihrer Website im Google-Index auch eine optimale Crawlbarkeit Ihrer Site durch den Googlebot wichtig. Dies können Sie gewährleisten, indem Sie Ihre Site in den Webmaster-Tools hinzufügen und eine XML-Sitemap hochladen. Dort können Sie neben vielen anderen Performance-Indikatoren für Ihre Site auch überprüfen, ob Crawl-Fehler aufgetreten sind, und ob Sie Ihre robots.txt-Datei richtig spezifiziert haben. In der Session “Suchmaschinenfreundliches Design” bei der SES Hamburg Ende Juni 2008 können Sie mehr zu diesem Thema von mir erfahren.

Für alle Webmaster, die konkrete Hilfe für ihre jeweilige Site wünschen, möchte ich auf unser Diskussionsforum für Webmaster hinweisen. Dort unterstützen unsere Google Guides und Experten aus der Webmaster-Community Sie in allen Fragen rund um Crawling, Indexierung und Ranking.

Ich habe kürzlich ein Angebot bekommen “Werbung” auf meiner Website zu schalten. Da ein redaktionelles Angebot wie ich es betreibe, auf Refinanzierung über Werbung angewiesen ist, schien mir zusätzliche Werbung sehr willkommen. Bei diesem Angebot handelt es sich um automatisierte Textlink-Ads. Wie sollte ich mich verhalten?

Bei solchen Werbelinks ist zwischen zwei Fällen zu unterscheiden: Zum einen Werbelinks, die zur Generierung von Traffic platziert werden und zum anderen das Kaufen und Verkaufen von Werbelinks zur Beeinflussung des Suchmaschinenrankings. Nur der zweite Fall stellt einen Verstoß gegen unsere Richtlinien für Webmaster dar. Das Kaufen und Verkaufen von Links, die PageRank weitergeben, kann die Suchergebnisse zum Schaden unserer User verzerren, da gekaufte Links nicht auf Verdienst, Relevanz oder Autorität basieren und dies einen unfairen Vorteil für finanzstärkere Websites bedeuten würde. Daher behalten wir uns das Recht vor, die Qualität und Relevanz unserer Suchergebnisse zu schützen.

Was kann nun ein Webmaster tun, der diese Richtlinien anerkennt und dennoch eine Refinanzierung der eigenen Website anstrebt?

In unserer Hilfe für Webmaster geben wir Webmastern konkrete Hinweise, wie sie Suchmaschinen gegenüber anzeigen können, dass es sich nicht um einen redaktionellen Link handelt und daher solche bezahlten Links keinen PageRank weitergeben sollen. Dies kann auf folgende Arten geschehen: Kennzeichnen Sie einzelne Links mit dem rel=”nofollow” Attribut oder spezifizieren Sie für eine gesamte Seite <meta name=”robots” content=”nofollow” />. Eine weitere Möglichkeit ist eine Weiterleitung über eine URL, die mittels robots.txt ausgeschlossen ist. Nach Anwendung einer der o. g. Methoden bzw. nach Entfernung derartiger Links können Webmaster einen Antrag auf die erneute Überprüfung der Website in unseren Webmaster-Tools stellen.

Auf unserem Webmaster Blog finden Sie in einem Post von Matt Cutts ausführliche Informationen zum Kauf und Verkauf von Links, die PageRank vererben.

Grosse Unsicherheit herrscht unter Webmastern zum Thema der externen Verlinkung. Seit längerer Zeit gibt es Gerüchte, dass ein zu schneller Linkzuwachs für das Ranking einer Website schädlich sei. Andere Stimmen glauben, eher die Kontinuität des Zuwachses, nicht Zahl der Links, sei ein Signal für die Natürlichkeit der Verlinkung.

Welche Tipps können Sie verunsicherten Webmastern geben, die sich z.B. fürchten, nach der Veröffentlichung einer Website, diese in einer grösseren Zahl hochwertiger Verzeichnisse anzumelden und deshalb z.B. nicht mehr als zwei Anmeldungen pro Tag oder gar pro Woche realisieren, obwohl es vielleicht 50 relevante Kataloge gibt, deren Anmeldung an einem Tag erledigt sein könnte?

Der entscheidende Punkt ist hier, ob das Linkwachstum organisch ist oder nicht. Die Stetigkeit des Ansteigens der Backlinks ist dabei nur ein Signal unter vielen, an denen festgemacht wird, ob es sich um genuine Popularität handelt oder nicht. An einem Beispiel möchte ich den Fall verdeutlichen, dass natürliches Linkwachstum durchaus auch exponentiell ansteigen kann. Denken Sie z. B. an die Website der UEFA. Die Popularität der Subdomain zur Euro 2008 ist in den letzten Wochen im Zuge des allgemein gesteigerten Interesses an der Europameisterschaft auf genuine Weise enorm angestiegen.

In Bezug auf den zweiten Teil Ihrer Frage empfehle ich Webmastern folgendes Vorgehen:

Zu Anfang sollte eine mit Bedacht getroffene Auswahl der Verzeichnisse stehen, in denen die eigene Website gelistet werden soll. Generell sollte das Verzeichnis genügend organische und relevante Einträge bieten, die zu wertvollen Informationsquellen verlinken. Der Katalog bzw. eine Kategorie dieses Katalogs sollte thematisch zu Ihrer Website passen. Redaktionell überprüfte Webkataloge bieten oftmals einen höheren Qualitätsstandard.

Ich empfehle auf jeden Fall die Strategie Qualität statt Quantität der Einträge. Denn nur ein Verzeichnis von hoher Qualität motiviert User dazu, sich bis zu Ihrem Eintrag durchzuklicken.

Falls Sie dafür bezahlen, in möglichst vielen Verzeichnissen ungeachtet derer Qualität gelistet zu sein, könnte dies ein schlechtes Licht auf Ihre Site werfen und gerade einen kontraproduktiven Effekt herbeiführen. Besonders bei der Nutzung von automatischen Eintragungsdiensten ist angesichts der breiten Streuung eine hohe Qualität der erreichten Verzeichnisse oft nur schwer zu gewährleisten.

Des Weiteren rate ich, eine individuell erstellte und informative Beschreibung Ihrer Website zu verfassen, aufgrund derer die User leicht entscheiden können, ob der Link sie zur gewünschten Information führt.

Falls der Verzeichnis-Betreiber einen Backlink zur Bedingung für die Aufnahme in das entsprechende Verzeichnis macht, dann bedenken Sie, dass Linktausch mit dem Ziel, das Ranking in Suchmaschinen zu manipulieren, einen Verstoß gegen unsere Richtlinien für Webmaster darstellt.

Zum Abschluss möchte ich Ihren Lesern eine einfache Faustregel an die Hand geben. Eine gute Methode bei der Verzeichnisauswahl ist es, sich selbst die Frage zu stellen: Wäre ich als User zufrieden mit diesem Eintrag in einem Webkatalog, weil es sich um einen individuell erstellten und relevanten Eintrag handelt, der zu einer wertvollen Informationsquelle führt?
Wir haben kürzlich einen sehr aufschlussreichen Post zum Thema Webkataloge veröffentlicht, den ich allen Webmastern mit diesbezüglichen Fragen besonders nahelegen möchte.

Frau Dürr, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für ihre Session während der SES Hamburg

Auch interessant:


Tags: , , , , , Kategorie: Google, Interviews, Webmaster/SEO

Ein Kommentar to “Interview mit Stefanie Dürr – Search Quality Team Lead – Google”