Der Google Effekt – Out of Memory

15. July, 2011 Comments Off on Der Google Effekt – Out of Memory Autor:

Du musst nicht alles wissen, du musst nur wissen wo es steht! Diese “Weisheit” begleitete mich durch meine Studienzeit. Natürlich befreite mich die Weisheit nicht vom lernen. Nicht nur für die Prüfungen, auch später und heute gab und gibt es Wissen, das sofort abrufbar sein muss. Anderes Wissen kann man nachschlagen. Wissenschaftler haben untersucht, wie die Nutzung von Google und anderen Internetdiensten unser Merkgedächtnis, unsere “Menschliche Festplatte” beeinflusst.

Foto: Dierk Schaefer

Erinnerung hängt vom Speicherort ab

Dr. Betsy Sparrow (Columbia Universität, USA) machte sich Gedanken darüber, wie Erinnerungen “vor dem Internet” verarbeitet wurden und wie das Internet die Erinnerungsleistung  der Menschen unterstützt. Als Sparrow einen Schwarz-Weiss Film ansah, wollte sie den Namen der Schauspielerin wissen, konnte sich aber nicht erinnern. Eine kurze Online-Suche auf dem Smartphone brachte jedoch geschwind die Antwort. Das war vor vier Jahren. Heute wurden im Science Magazine die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, welche sich damit beschäftigt, wie das Internet das Erinnerungsverhalten von Menschen beeinflusst: Google Effects on Memory: Cognitive Consequences of Having Information at Our Fingertips
Interessante Erkenntnis: Sobald Menschen wissen, dass die Informationen abgespeichert werden, erinnern sie sich eher an den Speicherort als an den genauen Inhalt. Wird jedoch suggeriert, dass die Erkenntnis nicht dauerhaft auf dem Computer speicherbar ist, können sie sich sehr gut an den Inhalt erinnern.

Der Mensch geht also sehr rational damit um, Wissen zu speichern. Solange es möglich erscheint, die konkrete Information ständig abrufbar zu haben, tendieren wir zum abspeichern. Menschen werden abhängiger von den Informationen die sie online finden, weil sie sich zunehmend darauf verlassen, auch später auf des kollektive Wissen im Internet zugreifen zu können.

 

Studie – Informationen kleben an den Fingerspitzen

Den Probanten wurden 40 allgemeine, nicht sehr bekannte, triviale Aussagen benannt, die sie am Computer schriftlich festhalten sollten. Beispiel: Das Auge eines Straußes ist größer als sein Hirn.

Einem Teil der Probanten wurde erklärt, die Informationen seien dauerhaft gespeichert. Dem anderen Teil wurde erklärt, dass der Computer die Informationen löschen wird. Die Gruppe, welcher die Löschung der Informationen angedroht wurde, konnte sich deutlich besser an die konkreten Inhalte erinnern. Die andere Gruppe hingegen wusste sehr genau wo die Information gespeichert wurde.

In weiteren Experimenten wurde die Erkenntnis gefestigt, dass es den Menschen leichter fällt sich an den Speicherort zu erinnern, als an den exakten Wortlaut der Information. Wir sind also sehr effizient darin, zu merken wo sich Informationen ausserhalb des eigenen Gehirns befinden und vermeiden damit doppelte Speicherung von Informationen. Im Slang der Suchmaschinen und Webmaster könnte man sagen: Es wird Duplicate Content vermieden.

 

Macht uns das externe Gedächtnis dümmer, weil wir uns nicht alles Wissen im eigenen Gehirn merken?

Das Internet ändert nicht die Art und Weise wie wir mit Wissen umgehen. Für den Menschen ist es schlicht unmöglich, alles Wissen im Gehirn abzuspeichern. Früher mussten wir uns mehr als heute merken, in welchen Büchern, Zeitschriften usw. das Wissen auffindbar war. Das “gute alte Lexikon” durfte in keinem Haushalt fehlen. Manchmal war das Lexikon nur Statussymbol, doch das ist eine andere Geschichte. Heute haben wir nicht nur freien Online-Zugriff auf Wikipedia.

In der Online-Welt lauert weitaus mehr Wissen als eine Person jemals erfassen kann. Das hat den Vorteil, mit der richtigen Technik auf ein umfassendes Wissen blitzschnell zugreifen zu können. Das Internet erweitert unseren Horizont, ohne die Denkleistung einzuschränken.  Ohne Internet werden vertraute Personen wie Partner, Freunde, Verwandte, Bekannte und Hilfsmittel wie Lexika in Anspruch genommen. Das Internet erweitert diesen Kreis deutlich und trägt so zu einer besseren Informationsmöglichkeit bei. Die einleitende Weisheit lässt sich vielleicht so modifizieren:

Du musst nicht alles wissen, du benötigst nur die richtige Suchstragtegie.

 

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