Google auf der Suche nach talentiertem Nachwuchs

Am Mittwoch, 17.Mai 2006, präsentierte Stefan Keuchel, Pressesprecher Google (Deutschland, Österreich und Schweiz), das hippe Unternehmen vor studentischem Publikum im grössten Hörsaal der FH Würzburg-Schweinfurt. Der Vortrag “Google Inside” wurde mit Spannung und Interesse vom studentischen Publikum aufgesogen.

Der Hörsaal war knackend gefüllt:
Hörsaal Vortrag Google Inside

Prof. Dr. Mario Fischer (Prodekan des Fachbereichs Informatik und Wirtschaftsinformatik und
zuständig für den Studiengang Wirtschaftsinformatik) spricht einleitende Worte bevor er das Wort an Hr. Keuchel übergibt:
Hr. Fischer und Hr. Keuchel

Der Vortrag machte deutlich, wie umfassend das Unternehmen Google geworden ist. Herr Stefan Keuchel hatte sichtlich Schwierigkeiten, das Unternehmen im vollem Umfang darzustellen. Nicht dass es ihm an Worten fehlte, ganz im Gegenteil. Man konnte praktisch sein Herz für Google schlagen hören. Viele der Vortragspunkte hätte er glühenden Herzens mit stundenlangen Erläuterungen begleiten können.

Hr. Keuchel, Pressesprecher Google

Ich möchte nicht den kompletten Vortrag wiedergeben. Nur einige bemerkenswerte Details:

– Das erste Gehäuse für den Google Festplattenspeicher (zehn Festplatten mit je 4 GB) war eine preiswerte, handgefertigte Lösung der Google Gründer. Hergestellt aus Lego-Bausteinen.

Google Gehäuse Lego

Bild vom Google Museum Stanford

Hr. Keuchel erklärte die weniger bekannte Tatsache, dass die Farben der Lego-Bausteine in das Google-Logo einflossen. Aha, wieder etwas dazu gelernt.

Die Zahl der Google Angestellten beträgt knapp 6000 Mitarbeiter in mehr als 30 Büros, weltweit. Kürzlich erst wurde das Moskauer Büro eröffnet.

Weltweit hält Google mehr als 50% Marktanteile am Suchmaschinenmarkt. Das ist eine Durchschnittszahl. In einzelnen Ländern gibt es unterschiedliche Anteile. Deutschland gehört mit rund 90% zu den stärksten Märkten. Noch mehr Nutzer haben sich in Spanien der Google-Suchmaschine zugewandt. Dort beträgt der Marktanteil rund 97%.

Mit sichtlichem Stolz erklärte Herr Keuchel die Erkenntnis, dass die Nutzung von Suchmaschinen die TOP-Anwendung E-Mail bereits überflügelt hat.

Das Geschäftsmodell basiert zu über 95% auf Einnahmen aus Werbung, die auf den Ergebnisseiten von Google sowie im Partnernetzwerk eingeblendet werden. Im Jahr 2005 erwirtschaftete Google rund 6,1 Millarden Dollar Umsatz. Die als Werbung eingeblendeten Links weisen 4 bis 5 mal höhere Klickraten auf als traditionelle Bannerwerbung. Vorteil für diese Werbeform ist, ein Drittel aller Suchanfragen sind kommerziell.

Dem erklärten Ziel Googles, alle Informationen dieser Welt zu erschliessen und nutzbar zu machen, kommt die Suchmaschine mit einer immer grösseren Palette an Produkten entgegen. Umnmöglich, hier alle aufzuzählen. Dazu gehören Google Video, Google Maps, Google Buchsuche, Google Scholar usw.
Google Earth wird als der ultimative Globus bezeichnet. Man kann praktisch jeden Ort der Welt im Gleitflug erreichen. Seit einigen Wochen sind hochauflösenden Bilder flächendeckend für das Territorium von Deutschland auch in Google Earth verfügbar. Deutschland ist das erste Land das flächendeckend, komplett hochaufgelöst betrachtet werden kann.

Trends und Entwicklungen können in den Google Labs besichtigt werden. Zukünftig soll Werbung in Google Maps und Google Mobil für weiteres Einkommen sorgen. Google kann es sich jedoch leisten, nicht jedes Produkt sofort kostendeckend anbieten zu müssen.

Die Unternehmenskultur
kam zur Sprache. Google tut sehr viel, damit sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Kostenloses Frühstück, Mittag und Abendbrot gehören dazu. Freizeitbeschäftigungen zum mentalen Ausgleich und vieles mehr. In den USA werden den Mitarbeitern viele Dinge des Alltags abgenommen. Wäsche waschen, Reparaturen des PKW etc. Einmal im Jahr läuft die ganz Google-Truppe für 3 Tage Ski. Eine Betriebveranstaltung die zum Zusammengehörigkeitsgefühl der Angestellten beiträgt. Sicher gäbe es zu diesem Punkt viel mehr zu sagen doch die Zeit war knapp…

Google in China
Im anschliessenden Frage-Antworten Teil wurde Das Verhalten Googles in China kritisch hinterfragt. Interessant zu hören war, dass auch innerhalb der Google-Belegschaft eine heftige Diskussion zu diesem Thema stattfindet. Der offizille Standpunkt Googles ist, besser in China anwesend zu sein, als gar nicht erreichbar. Vorher wurde Google durch die chinesische Firewall blockiert. Da die chinesische Regierung keine Chance gibt, aus Sicht der Regierung unerwünschte Treffer auszuliefern, ist eine Unterdrückung der Ergebnisse unumgänglich. Google erklärt jedoch den Nutzern auf der betreffenden Ergebnisseite, dass Treffer unterdrückt wurden. Das ist immerhin noch offener, als kommentarlos keine Informationen zu liefern.

Google und Datenschutz
Dem Vorwurf als “Dantenkrake” zu agieren, muss Google sich immer häufiger stellen. Herr Keuchel erklärte, dass Google den Datenschutz sehr ernst nimmt. Das langjährige Cookie, welches jeder Google Nutzer erhält, soll die Service-Qualität erhöhen. Es wird unter anderem ermittelt, welche Sprache, welcher Browser wird genutzt.

Klickbetrug
wurde auch hier hinterfragt. Google nutzt diverse Mechanismen um Klickbetrug zu erkennen. Beobachtet werden u.a Zugriffe von einer IP-Adresse und Spitzen in der Klickhäufigkeit. Viele weitere Erkennungsmöglichkeiten werden nicht öffentlich benannt um den Klickbetrügern keinen Vorteil zu gewähren.

Bei Google arbeiten
Google als Arbeitgeber zu haben, ist erstrebenswert, das wurde im Vortrag deutlich. Stefan Keuchel lebte diese Devise durch seine eigene Person, seinen sprühenden Vortrag. Es ist jedoch nicht so leicht, ein Googler zu werden. Obwohl im deutschen Sprachraum etwa 40 bis 50 Stellenausschreibungen laufen, müssen die Bewerber sich einem harten Prüfungsprozess unterziehen. Jeder Bewerber durchläuft mindestens 10 Gespräche. Google prüft tatsächlich die Referenzen indem bei früheren Arbeitgebern angerufen und um ein Urteil gebeten wird. Bewerber müssen Begeisterung und Wissen über Google mitbringen. Die Bezahlung liegt leicht über dem Durchschnitt und wird durch Aktienoptionen ergänzt.
Zum Bedauern einiger der anwesenden Studenten sind Praktikanten und Diplomanten bei Google eher nicht erwünscht. Das erklärt sich unter anderem mit dem hohen Bedürfnis, betriebliche Informationen im Unternehmen zu belassen.

Europäische Stellenangebote bei Google

FH Würzburg-Schweinfurt


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8 responses to “Google auf der Suche nach talentiertem Nachwuchs”

  1. Nikolaus74 Avatar
    Nikolaus74

    Also ich war auch mit dabei, und fand besonders interessant, dass Google anscheinend einen neuen Dienst hat, den die Mitarbeiter bereits testen können bzw. der mir (und auch weiteren aufmerksamen Studenten um mir herum) noch bisher unbekannt war. Während einer Live-Demonstration konnten aufmerksame Studenten in Herrn Keuchels Browser unter den weiteren Produkten / Diensten den Dienst Momo entdecken.
    Viele Google-Recherchen haben keinen Erfolg gebracht, auch das Probieren nach Google-typischen Webadressen à la momo.google.com oder http://www.google.com/momo brachten keinen Erfolg.
    Ich bin schon gespannt, welchen Dienst wir da erwarten dürfen …
    Aber es war schon ein sehr interessant Vortrag, allerdings wäre es schon wünschenswert gewesen, wenn Herr Keuchel seine Folien aktueller gehalten hätte. Zumindest als Interner mit internen Zahlen, die in anderen Quellen auch bereits offen liegen, hätte man dies berücksichtigen können.

  2. Markus Avatar
    Markus

    Mir ist das in dem Vortrag auch aufgefallen. Dass ihr unter MOMO nichts gefunden habt liegt wohl daran dass es MOMA hieß. Einfach mal danach googlen …. dann findet ihr was es ist.

    MfG

    Markus

  3. Klaus Avatar
    Klaus

    Jep, schaut mal hier:

    Your MOMA knows best

  4. Micha Avatar
    Micha

    Es war eine von vorn bis hinten durchgestylte, manipulative PR-Aktion, die mehr Fragen offenließ als sie beantwortete. Die (von Studenten mehrfach geäußerten) Bedenken zum Thema Google-Datenschutz beispielsweise wurden einfach durch Phrasen glattgebügelt. “Schließlich solle sich der User nicht so anstellen, seine Emails würden ja ohnehin alle gescannt! – Nächste Frage bitte”. Hätte mir mehr Zeit und Ernshaftigkeit für die Fragenrunde erhofft. Um rauszufinden was Google an Diensten im Angebot hat hätte ich nicht 2h rumsitzen müssen. Da hätte eine halbe Stunde googeln gereicht…

  5. » Google-Vortrag in Würzburg City

    […] re Informationen und Bilder zu dieser Veranstaltung finden sich in folgendem Blog-Beitrag: http://www.at-web.de/blog/20060519/google-auf-der- […]

  6. Mario Avatar

    Naja, Fragen zum Datenschutz hat er schon beantwortet – man kann das natürlich immer mit positiver oder negativer Grundstimmung “hören”. Keuchel sagte, Google wisse, dass Vertrauen das einzige richtige Betriebskapital von Google ist. Würde das verspielt, kann es mit Google schnell zu Ende gehen. Eine Suchmaschine oder ein Unternehmen, das die Daten seiner “Kunde” missbraucht oder verkauft – wer würde da nach Bekanntwerden noch hingehen. Und nichts ist doch leichter, als statt Google MSN oder Yahoo in die Browserzeile einzugeben…?
    Aber mit diversen Verschwörungstheorien muss wohl jedes erfolgreiche Unternehmen leben. Schließlich waren die Amis auch nicht auf dem Mond und Raider heißt jetzt Twix… ;-))

  7. venere Avatar
    venere

    Meine Meinung zum Thema Arbeiten bei Google: Google bemüht sich, überall als DER ideale Arbeitgeber für hervorragende Akademiker zu gelten und macht ordentlich Werbung. Ob das wirklich so ein “Traum-Unternehmen” ist, daran zweifele ich immer mehr. Ich habe mich Anfang des Jahres selbst beworben und das berühmte
    Google-Auswahlverfahren durchlaufen und war von Woche zu Woche zunehmend enttäuscht. Das Ganze hat sich über 2 Monate hingezogen, war superchaotisch, Abmachungen und Termine wurden z.T. nicht eingehalten, fast täglich wurde ich wegen jeder Kleinigkeit mit Anrufen bombardiert. Auf die verschiedenen Interviews wurde ich von Manpower vorbereitet und musste einen Fragen- und Antworten-Katalog quasi auswendig lernen. Der Job wäre mit 26.000 Euro Brutto/Jahresgehalt auch noch richtig schlecht bezahlt gewesen. Zwar ist es schon toll, dass Google den Mitarbeitern so viele Services bietet, z.B. gratis Essen. Aber das machen sie meiner Ansicht nach auch nur, weil die Mitarbeiter am besten in der Firma “wohnen” sollen. Man muss sich meiner Erfahrung nach schon extrem mit dem Unternehmen identifizieren, Google unkritisch sehen und sein Privatleben total hinten anstellen können, um bei Google zu arbeiten. Alles in allem habe ich durch den Auswahlprozess ein eher negatives Bild von Google entwickelt. Den mir angebotenen Job habe ich schließlich zugunsten eines anderen, attraktiveren Angebots abgelehnt…

  8. Mario Avatar

    Nachtrag:
    Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines einschlägigen Akademikers liegt laut Spiegel bei 40-45 T€
    http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,393477,00.html

    Keine Ahnung, wieso Google angeblich nur 26 T€ zahlen soll. Nach allen Abzügen bleiben da etwa 1.400 € im Monat. Nur etwas mehr als im Supermarkt. Kommt mir reichlich suspekt vor.