(06.05.2002) Suchmaschinen sind normalerweise darauf angewiesen, über
Werbung, unter anderem in Form bezahlter Listings, zusätzliche Einnahmen
zu generieren.
Bezahlte Listings sind für viele Suchmaschinen heutzutage eine Frage des
Überlebens. Da erregt es schon aufsehen, wenn eine Suchmaschine verkündet,
bewusst darauf zu verzichten, die Ergebnisse nicht durch bezahlte Listings zu
verderben.
Dass eine Sendeanstalt wie die BBC eine Suchmaschine ins Leben ruft ist recht
ungewöhnlich. Die BBC-Macher berufen sich auf ihre 80-jährige Medienkompetenz
und redaktionelle Erfahrung. Sie glauben, dass die Nutzer ein Recht auf völlig
unabhängige Ergebnisse haben.
Ashley Highfield, Direktor von BBC New Media erklärt:
"Es ist offensichtlich, dass sich der derzeitige Suchmaschinen-Markt nicht
die Bedürfnisse der Nutzer zu Herzen nimmt".
Die Suchmaschine soll zwielichtige Ergebnisse herausfiltern und sich besonders
für Newcomer eignen.
Die BBC-Suchmaschine wurde in Zusammenarbeit mit Google entwickelt und greift
auf einen Teil der Google-Datenbasis zurück. Starke Filterfunktionen sollen
dafür sorgen, dass nur "sichere" Inhalte im Ergebnis erscheinen.
Eine 100%-tige Garantie kann die BBC jedoch nicht geben.
Besonderen Wert legt die BBC-Suchmaschine auf den Vorrang englischsprachiger Webseiten
aus dem Vereinten Königreich (UK). Viele britische Nutzer sind frustiert,
da sie von Suchmaschinen sehr oft mit US-amerikanischen Ergebnissen überrollt
werden und diese als unzutreffend empfinden.
"Die Leute sind vorsichtig, wenn ihnen Sachen aufgedrängt werden, die
sie nicht wollen. Die BBC ist in der einzigartigen Lage, dass sie den Leuten dabei
helfen kann, sich mit dem Internet wohl zu fühlen", so Katherine Everett,
Chefin von BBC New Media. Sie sagt die BBC verwirklicht einen klaren Bedarf des
Marktes.
Warum kann das gerade die BBC?
Als staatliche Rundfunkanstalt wird die BBC mit Steuergeldern finanziert. Ein
direkter Druck um Einkommen zu generieren besteht nicht.
Sollten andere Länder vielleicht ähnliche Wege gehen und staatlich finanzierte
Suchdienste anbieten, völlig frei von Werbung?
Das Problem dürfte für viele Nutzer nicht die Werbung sein, sondern
deren mitunter mangelhafte Kennzeichnung. Solange die meisten Nutzer gar nicht
wahrnehmen, dass bezahlte Listings eingeblendet werden, irgendwie aber doch davon
erfahren, fühlen sie sich zu recht hintergangen. Ehrliche, ausreichend gekennzeichnete
Werbung auf Seiten der Anbieter von Suchdiensten dürfte ein Erfolgsrezept
sein um ein vertrauensvolles, dauerhaftes Verhältnis zur Nutzergemeinde aufzubauen.
Interessant ist eine von der BBC durchgeführte Umfrage. 7 von 10 Befragte
wissen nicht, dass Suchmaschinen zusätzlich bezahlte Listings liefern. Nach
meinen Erfahrungen dürfte sich die Situation im deutschsprachigen Raum ähnlich
darstellen.
Obwohl die Suchmaschine einen besonderen Focus auf Anfänger legt, wird keine
Hilfe zur Suchsyntax gegeben. Weitestgehend lassen sich die gleichen Optionen
verwenden, wie sie von der Suchmaschine Google
bekannt sind.
Die BBC blendet zusätzliche, redaktionell geprüfte Ergebnisse ein. Dabei
werden nach eigenen Angaben Webseiten die für Nutzer aus Grossbritannien
besonders geeignet erscheinen, mit qualitativ hochwertigen Inhalten und leicht
nutzbaren Websites bevorzugt.
Die BBC-Suchmaschine ist klar auf den britischen Raum und die Websites von BBC
fokussiert. Suchen in anderen Sprachen wie deutsch sind dennoch problemlos möglich.
Das @-web Verzeichnis der wichtigsten Suchmaschinen mit URL zum Anmelden neuer
Webseiten.
Webverzeichnisse und Metasucher: Suchmaschinenverzeichnis
06.05.2002
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