Suchmaschinen sind die “Torwächter” im Internet - was
sie nicht finden, bleibt vielen verborgen. Einer Studie der Bertelsmann Stiftung
zufolge verwenden über 90 Prozent aller Internet-Nutzer die elektronischen
Informationssortierer. Damit sind sie zu einer einflussreichen Instanz im Netz
geworden
“Die Qualität der Suchmaschinen”, so Prof. Dr. Marcel Machill,
Berater der Bertelsmann Stiftung und Journalistik-Professor an der Universität
Leipzig, “entscheidet darüber, wie sich die Nutzer im Internet zurecht
finden, wie sie sich informieren und ob sie die Menge an Informationen überhaupt
meistern können.” Die Studie zeigt aber auch, dass nur wenige Nutzer
wissen, wie die Rankings innerhalb der Suchergebnisse zustande kommen oder wie
sich Suchmaschinen finanzieren.
55 Prozent der befragten Anwender glauben fälschlicherweise, dass Suchmaschinen
ihre Erlöse mit dem Verkauf von Nutzerdaten erzielen. Richtig ist, dass Werbeeinnahmen
und der Verkauf von Suchtechnologie zu den Haupterlösquellen zählen.
Und die Rankings spiegeln nicht nur die Relevanz der gesuchten Websites wider,
sondern enthalten zunehmend auch Suchergebnisse, die nichts mit der Suchanfrage
zu tun haben. Dieses “Spam”-Problem hat sich verschärft: 57 Prozent
der deutschen Suchmaschinen-Betreiber registrierten im vergangenen Jahr eine starke
Zunahme der manipulierten Angaben, mit denen Website-Anbieter Top-Platzierungen
in den Ergebnislisten erzielen wollen. 25 Prozent der Betreiber verzeichneten
immerhin eine leichte Steigerung des “Spamming”. Als besonders problematisch
erweist sich “Spamming” im Jugendschutz: Kinder und Jugendliche werden
mit jugendgefährdenden Inhalten konfrontiert, auch wenn sie danach nicht
gesucht haben.
Ein anderes Problem, auf das die Studie der Bertelsmann Stiftung eingeht, ist
die Gefahr der Monopolstellung von Suchmaschinen. Der Marktführer Google
wird von 69 Prozent aller Suchmaschinen-Nutzer bevorzugt verwendet. Dazu kommen
zahlreiche Kooperationen mit anderen Suchmaschinen - zum Beispiel mit AOL und
Yahoo - die die Treffer von Google übernehmen. Lediglich 39 Prozent der User
nutzen eine zweite Suchmaschine, fast niemand greift auf drei oder mehr Dienste
zurück. “Hier tauchen bekannte medienpolitische Fragestellungen wie
Konzentrationsbegrenzung und publizistische Macht in neuem Gewand auf. Für
Internet-Suchmaschinen benötigen wir jedoch neue Regulierungsansätze”,
kommentiert Marcel Machill die Ergebnisse.
Die gesamte Studie “Wegweiser im Netz. Qualität und Nutzung von
Suchmaschinen” erscheint im Oktober. Für die Untersuchung wurden Bedienerfreundlichkeit
und inhaltliche Qualität der meistgenutzten deutschen Suchmaschinen analysiert.
Eine Nutzerbefragung gibt Aufschluss über die Erfahrungen bei der Informationssuche.
Außerdem wurde in einem Laborexperiment das tatsächliche Verhalten
von Suchmaschinen-Nutzern erforscht. Die Studie ist Teil des Projektes “Transparenz
im Netz”. Mit diesem Projekt will die Bertelsmann Stiftung Internet-Nutzer
für die Möglichkeiten und Grenzen von Suchmaschinen sensibilisieren
und Hilfestellung bei der Informationssuche im Internet geben. Darüber hinaus
soll in einem gemeinsamen Diskussionsprozess mit Suchmaschinen-Betreibern ein
Verhaltenskodex für die Betreiber etabliert werden.
Das @-web Verzeichnis der wichtigsten Suchmaschinen mit URL zum Anmelden neuer
Webseiten.
Webverzeichnisse und Metasucher: Suchmaschinenverzeichnis
09.07.2003
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