Suchmaschinen: Neue Herausforderung für die Medienpolitik
(11.05.2005) Der Verhaltenscodex für Suchmaschinen wurde in einer zweitägigen
Konferenz, geleitet von der Bertelsmannstiftung, medienpolitisch diskutiert.
Ein Code of Conduct für Suchmaschinen vorgestellt.
Suchmaschinen werden von mehr als 90% aller Internetnutzer verwendet und deshalb
gerne als "Gatekeeper" und Wegweiser im Internet bezeichnet. Ihnen werden Verantwortlichkeiten
zur Sicherung der Meinungsvielfalt im demokratischen Sinne ebenso zugeordnet,
wie der Verbraucherschutz, die Auslieferung relevanter Ergebnisse sowie die
Verhinderung von Ergebnissen die im gesellschaftlichen Rahmen als unzulässig
angesehen werden.
Speziell der letzte Punkt ist im Hinblick auf das internationale
Umfeld, und unterschiedlicher internationaler Moralauffassungen als relativ kompliziert
zu bewerten. Dennoch gilt es nationale Richtlinien und Gesetze einzuhalten. Es
soll jedoch so wenig wie möglich staatlich reguliert werden. Man spricht
von Modell der regulierenden Selbstregulierung. Das heisst, vorrangig Selbstregulierung,
stattlicher Eingriff nur im Ausnahemfall. Deshalb ist eine gemeinsame Vereinbarung
der Suchmaschinenbetreiber zur Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien das
angestrebte Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Code of Conduct
für Suchmaschinenbetreiber vorgestellt.
Es gilt, menschenverachtende, extremistische Inhalte nicht der Öffentlichkeit
über Suchmaschinen zugänglich zu machen, jugendgefährdende Inhalte herauszufiltern.
Als Fazit wurde festgestellt, dass in den
vergangenen Jahren die Arbeit der Suchmaschinen auf diesem
Gebiet beachtliche Fortschritte erzielte. Die Qualität der Suchmaschinenindizies
ist allgemein gestiegen. Dennoch gibt es immer noch Treffer, die z.B. Tippfehler
von Kindern und Jugendlichen ausnutzen, um vorrangig Inhalte aus dem Rotlichtbereich
zu präsentieren.
Unstimmigkeiten gab es in der Auffassung, wie die Anforderungen des Code of
Conduct umgesetzt werden können. Als problematisch wird in der Regel der notwendige
hohe manuelle Aufwand eingeschätzt um unerwünschte Ergebnisse nicht auf vorderen
Plätzen anzuzeigen. Dennoch setzt z.B. Yahoo! Deutschland auf eine händische
Bearbeitung der Ergebnistreffer.
Lycos verwendet einen mehrstufigen Prozess für Spam-Bekämpfung in den Suchmaschinen.
Neben automatischen Verfahren finden editorielle Kontrollen statt und es werden
Hinweise der Nutzer ausgewertet.
Keine Aussagen gab es von Google, der Suchmaschine mit dem grössten Marktanteil,
da man sich wegen des bevorstehenden Börsengangs nicht zur Thematik äussern
wolle bzw. könne. Aus früheren Äusserungen weiss man jedoch, dass dort die manuelle
Beeinflussung nur im äussersten Ausnahmefall erfolgt. In der Regel erklären
Google-Vertreter, dass man als Technologie-Firma problematischen Inhalten mit
der Entwicklung entsprechender Algorithmen entgegentritt.
Suchmaschinen sind aufgefordert, nach einheitlichen Standards für Ethik und
Transparenz zu arbeiten. Die zukünftige Betreuung dieser Aufgabe wurde
an die Landesanstalt für Medien, Nordrhein-Westfalen übertragen.
Das @-web Verzeichnis der wichtigsten Suchmaschinen mit URL zum Anmelden neuer
Webseiten.
Webverzeichnisse und Metasucher: Suchmaschinenverzeichnis
11.05.2004
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