(09.09.2001) Offiziell wird das ODP als Webverzeichnis freiwilliger Redakteure gepriesen.
Eine Community freiwillger Helfer, die das Verzeichnis betreuen und betreiben.
Aus den eigenen Reihen gibt es immer wieder Kritik zur Gestaltung der offenen
Community der über 40 000 freiwilligen Redakteure die für das (vermutlich)
grösste Webverzeichnis, dem ODP (Open Directory Project) tätig sind.
Die Website traffic.com veröffentlichte jetzt einen Beitrag, der die Verhältnisse
innerhalb des ODP näher beschreibt. Ein hochrangiges Mitglied des ODP berichtet
unter einem Decknamen Insiderwissen.
Der Start
Bis Mitte 1999 wurde das ODP von 5 bezahlten Mitgliedern geleitet, die alle
anderen freiwilligen Redakteure überwachten. Träger war die Firma Netscape,
die heute als Teil des unter anderem als Internetprovider bekannten Unternehmen
AOL Time Warner weiterbesteht.
Die Mitglieder:
Rich Screnta - Gründer und Leiter
Bob Truel - technisches Mitglied
Bryan Dole - Technisches Mitglied
Celeste Hutchins - Technisches Mitglied
Chris Tolles Marketing
Was ist heute ?
Heute sind es 25 bezahlte Mitglieder, davon 6 technische Mitglieder.
Im Artikel von traffick.com wird angezweifelt, dass 19 Mitglieder notwendig sind,
um die Politk des Webverzeichnisses zu bestimmen.
Im Kreisen des ODP mehren sich die Verdachtsmomente, dass die angebliche Community
von freiwilligen Redakteuren in Wirklichkeit von einem kommerziellen Unternehmen
geführt wird.
Offiziell wird sowohl von Netscape sowie von AOL-Time Warner (der Muttergesellschaft)
beteuert, dass das Verzeichnis weiterhin Unterstützung bekommt und unabhängig
bleibt.
Der Social Contract
Es gibt einen öffentlich zugänglichen Social
Contract der die Gepflogenheiten zwischen den ODP-Redakteuren regelt.
Dort wird klar geregelt, dass alle Regeln und Richtlinien für Redakteure
offiziell zugänglich sind.
Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Die Leitlinien werden in einem "privaten"
Forum der Meta-Redakteure (Obere Redakteure in der ODP-Hirarchie) herausgegeben.
Die bezahlten Mitglieder legen die Richtlinien fest, Meta-Redakteure sollen diese
durchsetzen.
Mitunter erhalten die Meta-Redakteure auch private Mails von den hauptamtlichen
Mitgliedern, damit sie in den ODP-Foren bestimmte Vorschläge als ihre eigenen
Ideen einbringen.
Der Hintergrund ist, dass die freiwilligen Redakteure dann eher zustimmen, als
wenn Vorschläge von "ganz oben" kommen würden.
Ein anderer Vorwurf lautet, dass die offiziellen Guidelines oftmals von bezahlten
Mitgliedern geändert würden ohne Redakteure und Meta-Redakteure davon
zu benachrichtigen.
Einfluss der Meta-Redakteure
Die offene Einladung Mitglied des ODP und damit Redakteur zu werden, wird nur
äusserlich, formal als korrekt angesehen.
Der Einfluss der Meta-Redakteure spielt hier eine sehr starke Rolle. Sie können
Kategorien blockieren, wenn es ihr Wunsch ist. Das ist etwa sinnvoll wenn Kategorien
in der Vergangenheit missbraucht wurden. Dann kann "selbst Gott" eine
Kategorie beantragen und erhält keine Kategorie.
Das ist zwar nicht so häufig der Fall, kommt aber vor und verschiebt die
Balance (Selbstregulation) des Systems.
Spamming
Jeder Redakteur ist in der Lage, die von ihm betreute Kategorie zu seinen Gunsten
zu führen.
Eine Firma könnte beispielsweise einen Mitatrbeiter beauftragen, freiwilliger
Redakteur im ODP zu werden um dann alle Einträge abzulehnen, die nach Konkurrenz
aussehen. Wenn das rauskommt gibt es natürlich Ärger und der Redakteur
muss umgehend seinen Job abgeben.
Bei einer virtuellen Gemeinschaft ist es allerdings nicht sehr schwierig mit einer
neuen Identität wieder aufzutauchen. Deshalb werden auch die IP-Nummern der
Redakteure geloggt und wenn notwendig gesperrt.
Dieser Massnahme fallen aber immer wieder "saubere" Redakteure zum Opfer.
Da viele Internet-Teilnehmer sich über Provider wie AOL, T-Online, ... einwählen,
die für jede Sitzung eine neue IP-Adresse vergeben, kann das relativ leicht
passieren.
Suchmaschinenoptimierer (SEO)
Spezialisten für Suchmaschinenotimierung (SEO - Search Engine Optimizing)
müssen sofort das ODP verlassen, wenn ihre Profession bekannt wird. Ungeachtet
dessen, ob sie sich bis dahin einen guten Ruf als Redakteur erworben haben.
Entlassungen von Redakteuren
Es gibt immer wieder Klagen, dass Redakteure ohne Begründung entlassen
werden. Die bezahlten Mitglieder umgehen hier immer wieder die Gepflogenheiten
der selbtregulierenden Mechanismen der Community.
Einschätzung
Das ODP verfügt derzeit über mehr als 40 000 freiwillige Redakteure.
Das ist eine Menschenmenge die eine recht grosse Ortschaft mit Stadtrecht bevölkern
könnte.
So wie im gewöhnlichen Leben müssen Regularien die Beziehungen zwischen
diesen vielen Menschen, die aus allen Teilen der Erde stammen,
festlegen und ausgeführt werden.
Besonders die bezahlten Mitglieder und Meta-Redakteure tragen eine hohe moralische
Verantwortung, die virtuelle Gemeinschaft zu führen und einen hohen ethischen
Standard zu halten.
Dem wirken die zahlreichen Betrugsversuche entgegen, von denjenigen die mit unlauteren
Mitteln zwar ihre eigenen Einträge in das ODP bringen möchten, die Konkurrenz
jedoch möglichst fernhalten.
So wird es immer ein Balanceakt bleiben, das Gleichgewicht zugunsten der Qualität
der Einträge zu halten. Trotzdem ist die Arbeit der ODP-Community als sehr
hoch einzuschätzen.
Das ODP wird nicht nur deshalb oftmals in anderen Angeboten verwendet, weil die
Verwendung der Daten kostenlos ist, sondern weil es auch Qualität bietet.
Schliesslich setzt selbst die erfolgreiche Suchmaschine Google
auf das ODP.
Jeder der aufrichtig an der Entwicklung dieses Verzeichnisses interessiert ist,
kann als freiwillger Redakteur dazu beitragen. Kenntnisse der englischen Sprache
sind kaum erforderlich, aber sehr nützlich, es gibt die deutschsprachige
Sektion: ODP deutschsprachig
Das @-web Verzeichnis der wichtigsten Suchmaschinen mit URL zum Anmelden neuer
Webseiten.
Webverzeichnisse und Metasucher: Suchmaschinenverzeichnis
09.09.2001
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