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Interview mit Danny Sullivan - Suchmaschinen Guru

This interview in: english
Anlässlich der Suchmaschinenkonferenz 2002 in München führte Klaus Patzwaldt ein Interview mit Danny Sullivan, Suchmaschinen-Experte und Herausgeber der weltweit bekannten Suchmaschinen Website "Search Engine Watch".

Das nachfolgende Interview soll Ihnen, liebe Leser, die persönliche Seite von Danny Sullivan, dem weltweit anerkannter Suchmaschinen-Experten, etwas näher bringen. Er beantwortet 10 Fragen. Zu seiner Person und natürlich zu Suchmaschinen.



1. Danny, wie verläuft bei Dir ein normaler Arbeitstag?

Ich arbeite zu hause und beginne vormittags zwischen 9:30 Uhr und 10:00 Uhr. Ich schau mir meine neuen E-Mails an und beantworte so viele wie möglich. Ich sehe in Suchmaschinen-Foren wie WebMasterworld.com nach, ob es neue Entwicklungen gibt und prüfe neue Artikel über Suchmaschinen, die in unserem eigenen SearchDay Newsletter und anderen Newslettern veröffentlicht wurden. Das kann leicht meine Zeit bis Mittag beanspruchen.

Den Nachmittag verbringe ich mit Recherchen oder schreiben. Ich ermittle für neue Berichte und aktualisiere Material wie Tabellen und Diagramme auf der Website. Möglicherweise mache auch einige Interviews. Gewöhnlich unterbreche ich gegen 17:00 Uhr meine Arbeit, das ist die Zeit in der meine Familie das Abendbrot geniesst. Oft mache ich dann Telefon-Interviews zwischen 18:00 Uhr und 19:00 Uhr, da viele Suchmaschinen ihren Sitz in Kalifornien haben, dort ist zu dieser Zeit Vormittag. Kann sein, dass ich auch nach dieser Zeit Interviews mache, und Interviews für Zeitungsreporter und andere, die über Suchmaschinen schreiben und nach einer Meinung suchen, gebe.

Das ist ein völlig normaler Tag. Während der letzten Tage eines Monats gehe ich jedoch in den "Newsletter-Modus". Während dieser Zeit schreibe ich an vielen Berichten, die ich in meinem monatlichen Newsletter, Search Engine Report, veröffentliche. In dieser Zeit arbeite ich sehr lange, um Beiträge fertigzustellen, die im Newsletter erscheinen sollen. Es ist immer mehr Material vorhanden, als ich persönlich bearbeiten kann. Das hält mich aber nicht ab, es wenigstens zu versuchen!



2. Was machst Du gewöhnlich am Sonntagnachmittag?

Ich spiele mit meinen Kindern oder mach all die kleinen Reparaturen rund um das Haus, auf deren Fertigstellung meine Frau schon wartet! Bei schönem Wetter verbringen wir die Zeit im Garten. Ich arbeite niemals am Wochenende.
Ich habe es getan, aber wenn Du zuhause arbeitest musst Du einige feste Regeln aufstellen, damit die Arbeit nicht Dein Leben beherrscht. Ich habe schliesslich 1999 entschieden, nicht am Wochenende zu arbeiten, daran halte ich fest. Das hilft tatsächlich die Arbeit besser zu machen, weil eine Pause dafür sorgt, die Arbeit mit einem klaren Kopf zu beginnen wenn ich wieder Suchmaschinen-Themen bearbeite.



3. Danny, Du hast zu mir mit einigen deutschen Worten gesprochen, ich war sehr beeindruckt. Was hat Dich inspiriert, etwas deutsch zu lernen?

Als ich 11 war, reiste ich zu meiner Tante, die lebt auf Maui, Hawaii. Ich fuhr in einem Boot zum Schnorcheln und begegnete einem deutschen Jungen in meinem Alter. Wir schrieben uns anschliessend für eine kurze Zeit Briefe, die Verbindung brach dann ab. An der High School mussten wir alle eine Sprache lernen. Deutsch wurde angeboten, und ich entschied mich dafür, wegen meiner früheren Verbindung.
Leider stellte unsere Schule den deutschen Kurs ein, so dass ich dann für zwei Jahre den französischen Lehrgang nehmen musste. Am College habe ich das Studium der deutschen Sprache wieder aufgenommen, weil wir eine andere Sprache lernen mussten, um einen Abschluss in Englisch zu bekommen. Ich lernte zwei Jahre Deutsch, mit einem weiterführenden Kurs für deutsche Literatur.

Wie Du aus unseren Gesprächen weisst, ist mein Deutsch ziemlich dürftig, trotzdem noch weit besser als mein französisch. Jedenfalls hoffe ich es in der Zukunft noch zu verbessern. Meine Schwägerin heiratete einen Deutschen in München, so dass ich einen Neffen und Nichte habe, die diese Sprache beherrschen. Wir möchten, dass unsere Kinder mit Cousine und Cousin in beiden Sprachen, deutsch und englisch, sprechen können. Ich erwarte, dass wir alle in den nächsten Jahren Sprachkurse nehmen werden.



4. Wie ist Dein Eindruck von Deutschland als Land und als Suchmaschinenmarkt?

Als Land geniesse ich Deutschland. Die Leute sind sehr angenehm und alles ist effektiv und läuft gut. Die meiste Zeit waren wir in der Nähe von München und ich geniesse es immer, im Sommer in den Biergärten zu essen. Leider, obwohl ich weiss, dass das Bier geschätzt wird, mag ich den Biergeschmack nicht, so dass ich wohl den Biergenuss versäume.

Für deutsche SEO ( Anmerkung: SEO - Suchmaschinenoptimierer) ist das schwierig zu sagen. Ich bekam den Eindruck, dass die Entwicklung 9-12 Monate hinter den Veränderungen in den USA hinterherläuft, wo das Auftreten bezahlter Listings zahlreiche SEO-Firmen veranlasst hat, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und neue Services anzubieten. Nach meinem Wissen gibt es in Deutschland bezahlte Listungen erst seit einigen Monaten. So ist es verständlich, dass dieses Element des Suchmaschinen-Marketing jetzt erst zu wachsen beginnt und Einfluss gewinnt. Ich denke, Du wirst zukünftig weit grössere Aktionen im SEO-Geschäft bemerken, um die Konversionsrate zu messen, statt nur Rankings zu betrachten. Das ist in den USA bereits geschehen, weil es teurer geworden ist, Besucher von Suchmaschinen zu bekommen. Dort gibt es ein höheres Bewusstsein dafür, dass nur Traffic mit einer hohen Chance auf Konversion wichtig ist.



5. Welches sind Deine wichtigsten Projekte an denen Du arbeitest?

Mein Partner-Herausgeber Chris Sherman und ich haben gerade einen Relevanz Test von Suchmaschinen abgeschlossen und wir werden in Zukunft weitere Tests durchführen. Das ist ein Bereich den wir und andere vernachlässigt haben. Es ist leicht sich in der Theorie zu verlieren und über Suchmaschinen zu reden. Viel mehr interessant ist es, spezielle Beispiele zu zeigen wie Suchmaschinen gut arbeiten und wann sie versagen.



6. Kannst Du Dir ein Leben ohne Suchmaschinen vorstellen?

Ein Leben für jedermann ohne Suchmaschinen?
Heute ist das schwer vorstellbar, weil wir so stark gewohnt sind, diese zu benutzen. Ich sehe keinen Weg, dass wir zurückgehen, aber die meiste Zeit meines Leben hatten wir KEINE Suchmaschinen, so dass ich mich gewiss noch an Wege erinnere, Informationen ohne sie zu bekommen. Aus meiner Sicht ist das eine grosse Herausforderung für viele Leute. Die sind derart abhängig geworden von Suchmaschinen, dass sie andere Wege vergessen haben, um Informationen zu bekommen.



7. Welches ist der grösste Vorteil den Suchmaschinen den Nutzern bringen?

Einfacher und schneller Zugriff auf Antworten und Informationen für Millionen Themen.



8. Welches ist heutzutage die grösste Herausforderung für Suchmaschinen?

Zu verstehen, die beste Antwort zu liefern. Möchtest Du kaufen oder Informationen wenn Du eine Produktsuche ausführst? Möchtest Du kaufen, ist eine Shopping-Suchmaschine die richtige Wahl. Möchtest Du Informationen, kann eine gute Datenbank mit Produktbeurteilungen hilfreich sein. Die Herausfoderung ist, die richtige Datenquelle zur Verfügung zu stellen.



9. Was glaubst Du, wie eine Suchmaschine in 5 Jahren arbeitet?

Ich glaube die werden gleich bleiben, in der Art wie wir die Anfragen über ein Suchformular eingeben und eine Liste von Ergebnissen erhalten. Sie mögen uns jedoch mehr Fragen stellen um besser zu entscheiden, welche Resultate sie uns geben. Und wir werden sicherlich mehr spezielle Datenbanken sehen: Rechtssuche , Nachrichtensuche, Produktsuche, Finanzsuche, Suche öffentlicher Verwaltungen und so weiter.



10. Hast Du irgendwelche Ratschläge für deutsche Suchmaschinen Vermarkter?

Ich glaube, der beste Rat ist die Messung der Kampagnen bezüglich der Konversion, nicht des Rankings. Prüfen Sie was mit den Besuchern geschieht, wenn diese auf Ihrer Webseite, oder der Ihrer Kunden, ankommen. Reagieren die Besucher nicht genau wie erwartet? Wenn das so ist, müssen an der Webseite Veränderungen erfolgen, um diese Besucher besser zu binden. Sonst werden die Besucher zur Suchmaschine zurückkehren und jemand finden, der besser informiert und Ihre Seite für immer vergessen.



Danny Sullivan ist Herausgeber der Website:

Search Engine Watch



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29.10.2002


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