Wie Suchmaschinen aggressiv zu beeinflussen sind, geisterte in letzter Zeit
mehrfach durch die Medien. Der Begriff Google Bombs suggeriert, dass gute Platzierungen
durch aggressives "Bombenlegen" zu erreichen wäre.
Dass Suchmaschinen auf sogenannte Bombs reagieren bewiesen mehrere prominente
Beispiele in der Suchmaschine Google.
Ende 1999 brachte die Google-Suche nach "more evil than satan himself"
die Microsoft Website an erster Stelle.
Für die Frage nach "dump motherfucker" belegte im Januar 2001 eine
Website für den amerikanischen Präsidenten George W. Bush Platz 1.
Im April 2001 sorgt Adam Matthes mit seinem "talentless hack" dafür,
dass fast ein Jahr später unter diesem Begriff die Website seines Freundes
Andy Pressmann gefunden wurde.
Wie geht das?
Eine Website die Goerg W. Bush gewidmet ist, benutzt mit Sicherheit nicht einen
obszönen Begriff. Dennoch ist die Seite ganz weit vorne. Das heisst, der
Begriff muss nicht zwangsläufig auf der hochgepuschten Website vorhanden
sein.
Die Basis, um anderen Seiten eine hohe Wichtigkeit zu verleihen, sind Weblogs.
Webseiten, meist von Privatpersonen betrieben, die über ein ganz bestimmtes
Thema berichten, täglich aktuell.
Bedeutung von Weblogs für das Ranking
Weblogs haben bestimmte Eigenschaften, die mit den elementaren Google-Rankingkriterien
übereinstimmen.
Weblogs arbeiten mit zahlreichen Links, Verweise auf andere Webseiten, dem
Basisstoff für das Google-Ranking.
Weblogs sind aktuell. Google spidert aktuelle Seiten besonders oft.
Hinzu kommt das Wissen, dass Google den Ankertext in einem Link besonders
hoch bewertet. Möchten Sie etwa einen Link auf @-web setzen macht es nicht
viel Sinn, in den Linktext "@-web" zu schreiben. Da sich @-web mit Suchmaschinen
beschäftigt, ist ein Link hilfreicher der den Begriff Suchmaschinen-Magazin
im Linktext enthält. Im Quelltext sieht das so aus:
<a href="http://www.at-web.de/"> Suchmaschinen-Magazin</a>
Setzen also sehr viele Webseiten einen Link auf @-web, mit Suchmaschinen-Magazin im Linktext, kann das die @-web Position in der Ergebnisliste von Google für
die Suche nach "Suchmaschinen" noch weiter steigern. In diesem Falle
wäre das völlig korrekt, da die Inhalte auf @-web sich zum grössten
Teil mit Suchmaschinen, Webverzeichnissen, u.s.w. beschäftigen.
Werden nun gezielt zahlreiche Links mit einem bestimmmten Schlagwort auf eine
Webseite gesetzt, so erhält diese Seite aus der Sicht von Google eine sehr
hohe Bewertung. Je höher der PageRank der verweisenden Seite ist, je höher
ist auch der Wert des Links.
Da gute Weblogs einen guten PageRank aufweisen, verfügen sie über eine
gewisse Power, ein Stimmrecht im Google-Ranking. Erst die geballte Kraft von mehreren
hundert Weblogs besitzt die Kraft, gezielt Platzierungen zu beeinflussen. Hinzu
kommt ein nicht zu unterschätzender Zeitfaktor. Den Aufruf zum "talentless
hack" veröffentlichte Adam Matthes im April 2001. Den Platz 1 für
die hochgepuschte Site konnte er fast ein Jahr später feststellen.
Herausforderung für Suchmaschine Google?
Möglicherweise ist es gar nicht so schlecht für die Suchmaschine
Google, wenn aufgedeckt wird, wo das System Schwächen aufweist. Der Wettlauf
zwischen "Hase und Igel" wird immer weiter gehen. Suchmaschinen müssen
leider immer damit rechnen, dass versucht wird, Suchergebnisse zu beeinflussen.
Offen aufgedeckte Schwächen können auch dazu dienen, Lücken zu
schliessen. Dafür sind bei komplexen Suchmaschinen wie Google umfangreiche
Tests notwendig. Klar ist, dass bei diesen Tests auch unschuldige Websites im
Ranking fallen. Wo gehobelt wird fallen Späne.
Es bleibt festzustellen:
Der "talentless hack" erzeugt 1300 Treffer in Google. Das ist ein relativ
kleines Feld, welches sich um diesen Begriff bewirbt. Ob das für Begriffe
mit 10 000 oder 100 000 Treffern funktioniert ist damit nicht erwiesen.
Hunderte hochwertiger Websites und deren gemeinsames Vorgehen sind notwendig um
Google eine "demokratische Abstimmung" vorzutäuschen. Jeder Link
muss von einer anderen Domain kommen, hunderte Links von einer Domain können
diesen Effekt nicht erzeugen.
Es können Monate vergehen bis sich das erwünschte Ergebnis tatsächlich
durchsetzt.
Webblogs werden wegen ihrer aktuellen Inhalte tägliche indexiert, das Alter
der Links spielt jedoch keine Rolle.
Die besorgte Frage, ob Marketing-Abteilungen in Firmen nun darüber nachdenken
ob sich das Google Bombing für ihre Zwecke nutzen lässt, ist ganz klar
mit ja zu beantworten. Während sie ganz kühl Aufwand und Nutzen berechnen,
wird allerding schnell klar, dass es preiswertere, effektivere Lösungen gibt
um die Website bekannt zu machen.
Ein interessantes Buch von Mathias
Schmitz, ehemaliger AltaVista-Manager
Das @-web Verzeichnis der wichtigsten Suchmaschinen mit URL zum Anmelden neuer
Webseiten.
Webverzeichnisse und Metasucher: Suchmaschinenverzeichnis
22.03.2002
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