Spekulieren mit Internet Domain-Namen

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Die im Internet immer akuter werdende Knappheit an Domains (zur Information: Domains sind der Anfang von Internetadressen wie yahoo.de, ferienzeit.com oder sedo.de) führt zuweilen schon zu sonderbaren Blüten:

Die Domain germanstrip.de wird in einem Internet-Auktionshaus für 10.000 DM angeboten, billigflugreisen.com bringt es gar auf 25.000 DM. Und richtig gute Namen, die kurz und präzise sind, wechseln bisweilen zu noch höheren Preisen den Besitzer – den Rekord hält business.com, das im Dezember 1999 gar 7.5 Millionen Dollar einbrachte.

Momentan wird Year2000.com auf e-bay versteigert. Das höchste Gebot steht zur Stunde auf 10 Millionen Dollar – doch man vermutet, daß derselbe 13-jährige Junge, der bereits um Rembrand-Bilder mitgeboten hat, sich wieder mal einen Scherz erlaubt.

Naheliegend zu denken, man könnte sich durch das bloße Reservieren von Domains das Bafög ein wenig aufbessern. Einige wenige schaffen dies auch: der amerikanische Architektur-Student Mark Zonarich zum Beispiel verdient sich eine goldene Nase, indem er sich gute Internetadressen ausdenkt, diese reserviert und dann an den höchsten Bieter verkauft.

Einige Dienste, z.B. ultimadomain.de bieten dieses Reservieren von Domains bereits für nur eine Mark im Monat an und selbst wenn man nur ab und zu eine seiner reservierten Domain verkauft, der Gewinn könnte sich sehen lassen.

Das dies nicht so einfach ist, sagen Experten wie z.B. Florian Huber von domain-recht.de und warnen vor einem blinden Kauf von Domains: “Gerade durch die Registrierung eines Domain-Namens kann es leicht passieren, daß man gegen Kennzeichnungsrechte Dritter (also z.B. Marken, Unternehmensnamen, Buch- und Softwaretitel) verstößt.

Die Inhaber des ‘besseren Rechts’ an der Domain beauftragt dann meist einen Anwalt, der den bisherigen Domain-Inhaber mit einer Abmahnung auf den Rechtsverstoß aufmerksam macht und die Freigabe der Domain fordert”. Dies kann ganz schön teuer werden. Und auch an sich clevere Ideen wie Domains mit kleinen Tippfehlern (“jahoo.de”) sind nicht neu und außerdem meist illegal. Der Domain-Handel konzentriert sich deshalb heute fast ausschließlich auf solche Domain-Namen, die kennzeichnungsrechtlich nicht geschützt werden können, also allgemeine Wörter der (deutschen) Sprache wie “ferienzeit.com”.

Aber auch neue Geschäftsideen entspringen aus dieser im Internet vorherrschenden Knappheit an Domains. So haben sich drei findige Studenten dies zunutze gemacht, und zusammen sedo.de, die weltweit größte Suchmaschine für gebrauchte Domains, entwickelt. sedo.de ist ein interaktiver Marktplatz für Kauf, Verkauf und Suche von Domains aller Arten.

Für viele Unternehmen und Privatleute wird dies wohl in Zukunft der einzige Weg sein, um doch noch zu einer bereits verloren geglaubten Wunschdomain zu kommen. Natürlich kommt das – vor allem wenn das amerikanische Preisniveau bei Domains hier Einzug hält – für Käufer ziemlich teuer – aber alle Domainspekulaten, die in der Hoffnung auf fette Gewinne massenweise Domains gehortet haben, wird das freuen.

Für gute Domain-Namen dürfte man bald in etwa das bezahlen, was man heute für Grundstücke am Starnberger See oder auf der Düsseldorfer Kö auf den Tisch legen muß. Nicht umsonst werden Domain-Namen häufig als die Immobilien der Cyberwelt bezeichnet!


Die wichtigsten Links zu diesem Artikel:

sedo.de, die Domainmarkt-Suchmaschine mit weiteren Domain-Informationen
domain-recht.de – eine empfehlenswerte Seite mit ausführlichen rechtlichen Informationen
Artikel © 22. Mai 2000 von Tim Schumacher; der Artikel darf auf jeder Webseite frei verwendet werden, solange er vom Inhalt her (incl. diesem Hinweis) unverändert bleibt.

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